Kehlbalken-SpannweitentabelleVollständige DIN/Eurocode-Referenz
Umfassende Spannweitentabellen für Kehlbalken im Wohnungsbau. Finden Sie maximale Spannweiten für alle gängigen Querschnitte und Lastfälle — von reiner Deckenverkleidung bis zum ausgebauten Dachgeschoss.
Kurzantwort
Ein KVH-Kehlbalken 60×160 mm aus Fichte C24 bei 60 cm Achsabstand kann bis ca. 4,80 m stützenfrei überspannen, wenn er nur eine Gipskartondecke trägt (Eigenlast 0,3 kN/m², keine Nutzlast). Bei Nutzung als Lagerboden (0,75 kN/m²) sinkt die Spannweite auf ca. 3,50 m. Für ausgebaute Dachgeschosse (1,5 kN/m²) mindestens 80×200 mm verwenden.
Kehlbalken-Spannweiten verstehen
Kehlbalken erfüllen im konventionellen Sparrendach eine Doppelfunktion: Sie tragen die Deckenverkleidung (typisch Gipskarton) und wirken als Zugband, das den horizontalen Schub der gegenüberliegenden Sparren aufnimmt. Die Spannweite eines Kehlbalkens hängt primär davon ab, ob der Dachraum darüber als Lager- oder Wohnfläche genutzt wird.
Die DIN EN 1991-1-1 unterscheidet drei Belastungskategorien für Kehlbalken: nicht begehbare Dachräume ohne Lagernutzung (nur Eigenlast 0,3 kN/m² — Gewicht der Gipskartondecke), nicht begehbare Dachräume mit leichter Lagernutzung (0,75 kN/m² Nutzlast), und ausgebaute Dachgeschosse/Wohnräume (1,5 kN/m² Nutzlast). Jede Kategorie hat eigene Spannweitentabellen.
Wenn Kehlbalken gleichzeitig als Zugbänder im Sparrendach dienen, müssen sie zusätzlich zur Biegebeanspruchung Zugkräfte aufnehmen. Die Verbindung zum Sparrenfuß muss für den horizontalen Schub bemessen sein. Der Eurocode verlangt, dass Kehlbalken im unteren Drittel der Sparrenlänge angeordnet werden. Höher gesetzte Kehlbalken (Drempel) erhöhen die Zugkräfte erheblich.
Kehlbalken-Spannweitentabellen nach Lastfall
Die folgenden Tabellen basieren auf DIN EN 1995-1-1 für Kehlbalken mit 0,3 kN/m² Eigenlast. Drei Lastfälle: reine Deckenverkleidung (keine Nutzlast), leichte Lagerfläche (0,75 kN/m²) und ausgebauter Wohnraum (1,5 kN/m²). Spannweiten für den Lastfall Deckenverkleidung / leichte Lagerfläche.
Fichte C24 — nur Deckenverkleidung (keine Nutzlast)
Festigkeitsklasse C24 — 0,3 kN/m² Eigenlast, keine Nutzlast
| Querschnitt | 40 cm | 60 cm | 80 cm |
|---|---|---|---|
| 60×100 | 3,80 m | 3,30 m | 2,90 m |
| 60×120 | 4,60 m | 4,00 m | 3,50 m |
| 60×160 | 5,60 m | 4,80 m | 4,20 m |
| 80×200 | 7,00 m | 6,10 m | 5,30 m |
Fichte C24 — leichte Lagerfläche (0,75 kN/m² Nutzlast)
Festigkeitsklasse C24 — 0,3 kN/m² Eigenlast + 0,75 kN/m² Nutzlast
| Querschnitt | 40 cm | 60 cm | 80 cm |
|---|---|---|---|
| 60×100 | 2,70 m | 2,40 m | 2,10 m |
| 60×120 | 3,30 m | 2,90 m | 2,50 m |
| 60×160 | 4,10 m | 3,50 m | 3,10 m |
| 80×200 | 5,10 m | 4,50 m | 3,90 m |
Fichte BSH GL24h — nur Deckenverkleidung (keine Nutzlast)
Brettschichtholz GL24h — 0,3 kN/m² Eigenlast, keine Nutzlast
| Querschnitt | 40 cm | 60 cm | 80 cm |
|---|---|---|---|
| 60×100 | 4,10 m | 3,50 m | 3,10 m |
| 60×120 | 4,90 m | 4,30 m | 3,70 m |
| 60×160 | 6,00 m | 5,20 m | 4,50 m |
| 80×200 | 7,50 m | 6,50 m | 5,70 m |
Fichte C16 — leichte Lagerfläche (0,75 kN/m² Nutzlast)
Festigkeitsklasse C16 — 0,3 kN/m² Eigenlast + 0,75 kN/m² Nutzlast
| Querschnitt | 40 cm | 60 cm | 80 cm |
|---|---|---|---|
| 60×100 | 2,30 m | 2,00 m | 1,70 m |
| 60×120 | 2,80 m | 2,40 m | 2,10 m |
| 60×160 | 3,40 m | 3,00 m | 2,60 m |
| 80×200 | 4,30 m | 3,80 m | 3,30 m |
Lastfälle für Kehlbalken
Die DIN EN 1991-1-1 definiert drei Kategorien von Dachraum-Nutzlasten. Die richtige Zuordnung ist entscheidend für die korrekte Spannweiten-Tabelle.
- Nicht begehbarer Dachraum ohne Lagernutzung (nur 0,3 kN/m² Eigenlast): Gilt, wenn der Dachraum keinen Zugang hat (kein Bodenluke, keine Einschubtreppe) und nur gelegentlich für Wartung (Haustechnik, Leitungen) betreten wird. Die Kehlbalken tragen nur die Gipskartondecke und erlauben die längsten Spannweiten.
- Nicht begehbarer Dachraum mit leichter Lagernutzung (0,75 kN/m² Nutzlast): Gilt, wenn der Dachraum eine Bodenluke oder Einschubtreppe hat und leicht gelagert wird (Weihnachtsdeko, Koffer). Dies ist der häufigste Lastfall bei Sparrendächern.
- Ausgebautes Dachgeschoss / Wohnraum (1,5 kN/m² Nutzlast): Gilt, wenn der Dachraum als Wohnfläche genutzt wird. Verwenden Sie in diesem Fall die Deckenbalken-Spannweitentabellen (Kategorie A).
- Planen Sie einen späteren Dachausbau, dimensionieren Sie die Kehlbalken von Anfang an für 1,5 kN/m². Eine Nachrüstung ist aufwändig und teuer.
- Haustechnik im Dachraum (Wärmepumpe, Lüftungsanlage) erzeugt Einzellasten. Stellen Sie schwere Geräte auf eigene Tragglieder oder verstärkte Balkenabschnitte.
Im Zweifel dimensionieren Sie für leichte Lagerfläche (0,75 kN/m²). Der Mehrpreis gegenüber der reinen Deckenverkleidung ist gering, aber Sie erhalten Flexibilität für spätere Lagernutzung.
Einflussfaktoren auf Kehlbalken-Spannweiten
Neben Last und Holzart beeinflussen weitere Faktoren die Bemessung Ihrer Kehlbalken.
- Zugbandfunktion: Wenn Kehlbalken als Zugbänder im Sparrendach wirken, treten neben der Biegebeanspruchung Zugkräfte auf. Die Verbindung Kehlbalken-Sparren muss für den horizontalen Schub bemessen sein. Die Spannweite wird dadurch nicht direkt reduziert, aber die Anschlüsse erfordern ausreichende Befestigung (Bolzen, Balkenschuhe).
- Gewicht der Deckenverkleidung: Standard-12,5-mm-Gipskarton wiegt ca. 0,11 kN/m². Bei 2 × 12,5 mm (Brandschutz F30) verdoppelt sich das auf 0,22 kN/m². Holzdecken und Putzdecken können 0,3–0,5 kN/m² wiegen und erfordern ggf. größere Querschnitte.
- Dämmung: Einblasdämmung (Zellulose, Glaswolle) auf den Kehlbalken kann 0,05–0,15 kN/m² wiegen. Bei sehr hohen Dämmschichten (> 40 cm) prüfen, ob die Eigenlastannahme noch stimmt.
- Achsabstand und Beplankung: 60 cm Achsabstand erfordert 15 mm Gipskarton (oder spezielle 12,5-mm-Deckenplatten). 40 cm erlaubt Standard-12,5-mm-Platten. Bei 80 cm wird 18-mm-Gipskarton oder Querlattung empfohlen.
- Drempel (Kniestock): Bei Dächern mit Drempel sind die Kehlbalken oberhalb der Fußpfette angeordnet. Die resultierenden Zugkräfte steigen stark an und erfordern eine statische Berechnung für die Anschlüsse.
Kehlbalken werden oft unterschätzt, weil sie über der Decke verborgen sind. Aber sie erfüllen kritische Aufgaben als Zugband im Sparrendach und müssen korrekt dimensioniert und angeschlossen sein.
Normenverweise für Kehlbalken
Die folgenden Normen regeln die Bemessung von Kehlbalken im Holzbau.
- DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5) — Holzbau-Bemessung: Spannweiten, Durchbiegungsgrenzen, Zug- und Biegenachweise für Kehlbalken
- DIN EN 1991-1-1 (Eurocode 1) — Einwirkungen: Nutzlastkategorien für Dachräume (0,75 kN/m² Lagerfläche, 1,5 kN/m² Wohnraum)
- DIN EN 1991-1-1/NA — Nationaler Anhang: Kehlbalken-Verbindungen, wenn sie als Zugbänder wirken. Mindestens 3 Bolzen M12 oder gleichwertige Balkenschuhe pro Anschluss.
- DIN 4102-4 / DIN EN 13501 — Brandschutz: Anforderungen an die Feuerwiderstandsdauer von Decken (F30, F60) und die erforderliche Gipskartondicke
- DIN EN 338 — Festigkeitsklassen für Bauschnittholz (C16, C24)
- DIN 68800 — Holzschutz: Anforderungen an Kehlbalken in den Gebrauchsklassen GK 0–1
Die Kehlbalken-Bemessung berührt den Eurocode 5 (Tragwerk), Eurocode 1 (Lasten), Brandschutz (DIN 4102/EN 13501) und ggf. Schallschutz (DIN 4109). Betrachten Sie alle relevanten Normen gemeinsam bei der Planung.
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